{"id":1236,"date":"2023-03-07T16:08:59","date_gmt":"2023-03-07T15:08:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sparwelt.de\/magazin\/?post_type=life&p=1236"},"modified":"2025-12-04T13:22:37","modified_gmt":"2025-12-04T12:22:37","slug":"binge-watching","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sparwelt.de\/magazin\/unterhaltung\/binge-watching","title":{"rendered":"Lies doch mal ein Buch – wenn Binge Watching zur Sucht wird!"},"content":{"rendered":"

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Streaming-Dienste dem linearen Fernsehen mittlerweile den Rang abgelaufen haben. Vor allem Serien stehen in der Gunst der Zuschauer ganz weit oben. Für jede Vorliebe findet man auf den diversen Plattformen mittlerweile das passende Format. Serien und ihre Hauptfiguren ziehen uns in ihren Bann. Und zwar oft genug so sehr, dass wir es nicht schaffen, abzuschalten und gleich mehrere Folgen hintereinander anschauen. Binge Wachting wird dieses Phänomen genannt und von vielen schon als neue Sucht unserer Zeit verteufelt. Doch ist das wirklich zutreffend? Wir haben für dich genauer hingeschaut.<\/div><\/strong><\/p>\n

Was ist Binge Watching?<\/h2>\n

Binge Watching, das auch unter den Synonymen Komaglotzen oder Serienmarathon seinen Weg in den öffentlichen Diskurs gefunden hat, bezeichnet das Schauen von mehreren Folgen einer Serie am Stück. Während beim linearen Fernsehen üblicherweise nur eine Folge pro Woche ausgestrahlt wird, ist das Binge Watching mit dem Erscheinen der populären Video-on-Demand-Angeboten populär geworden.<\/p>\n\n\t

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Amazon Prime Video Kosten: Lohnt sich die Mitgliedschaft?<\/h3>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t
\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tTipps<\/span>\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/a>\n

Der große Vorteil von Portalen wie Netflix, Amazon Prime oder WOW ist es, dass man sich komplett vom linearen Programm unabhängig machen kann. Während also beispielsweise die „Schwarzwaldklinik“ ihren festen Sendeplatz samstags am frühen Abend hatte, können wir unseren Serienhelden heute quasi immer und überall folgen. So wundert es heute keinen mehr, wenn uns auf einer langen Zugfahrt bei unseren Sitznachbarn alte Bekannte vom Laptop entgegen grinsen.<\/p>\n

Was Binge Watching mit deinem Gehirn macht<\/h2>\n

Kaum hatte das Kind einen Namen, wurde das Phänomen Binge Watching auch schon von allen Seiten beleuchtet und kritisch hinterfragt. Psychologen und Kognitionswissenschaftler haben sich ebenso dazu geäußert wie Schlaf- und Suchtforscher. Und alle wussten zu den Folgen von Binge Watching zu berichten.<\/p>\n

Eine im Journal of Clinical Sleep Medicine veröffentlichte Studie belegt beispielsweise, dass Binge Watcher eher mit Schlafstörungen zu rechnen haben, als die Vergleichsgruppe<\/a>. Das hat wahrscheinlich jeder von uns schon mal erlebt: Die neue Staffel der Lieblingsserie ist so spannend, dass man einfach nicht abschalten kann. Häufig kommt man erst weit nach Mitternacht ins Bett und alleine das sorgt schon dafür, dass die Nacht kurz und der Schlaf entsprechend zu wenig ist. Darüber hinaus kommt es häufig genug vor, dass uns die Storyline einfach nicht loslässt und wir uns aufgewühlt in den Kissen wälzen, statt sanft ins Reich der Träume hinabzugleiten.<\/p>\n

Wer mehr sieht, vergisst auch mehr<\/h3>\n

Eine weitere interessante These aus der Wissenschaft: Binge Watching kann deinem Langzeitgedächtnis schaden. Im Rahmen einer Studie haben Forscher der University of Melbourne zwei Gruppen miteinander verglichen<\/a>. Ein Teil der Teilnehmer schaute sich wöchentlich eine neue Folge einer Serie an, während der andere Teil die gleiche Serie in einem Rutsch durchgeschaut hat. Das Ergebnis: 24 Stunden nach der letzten Folge konnten sich die Binge Watcher noch deutlich besser an den Inhalt erinnern. Als man die Teilnehmer jedoch nach gut 4 Monaten erneut befragte, hatten die wöchentlichen Rezipienten die Handlung noch deutlich präsenter vor Augen als die Binge Watcher.<\/p>\n\n\t

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Disney+: ein Highlight nicht nur für Disney Fans<\/h3>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t
\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tUnterhaltung<\/span>\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/a>\n

Doch warum ist das so? Die Antwort darauf liefert die Kognitionswissenschaft: Wir lernen einfach viel besser und vor allem nachhaltiger, wenn wir das Lernpensum über einen gewissen Zeitraum verteilen. Sicherlich kennst du das auch noch aus der Schule: Einen Tag vor der Klausur geben wir alles, um uns den Stoff reinzuprügeln. Das meiste davon können wir dann auch abrufen, wenn es darauf ankommt. Aber schon ein paar Wochen später ist davon kaum noch etwas übrig. Ein ganz normaler kognitiver Vorgang also und keine Folge von exzessivem Serienkonsum. So sieht das auch Martin Brandt, Dozent für kognitive Psychologie der Universität Mannheim, der Entwarnung gibt: „Unser Gedächtnis ist evolutionär so wichtig, dass es sich von ein bisschen Binge-Watching nicht kleinkriegen lässt.“<\/p>\n

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ACHTUNG: Hohes Suchtpotential, Serien bei Netflix<\/p><\/div>\n

Bin ich süchtig nach meinen Serien?<\/h3>\n

Es hat natürlich nicht lange gedauert, bis das Binge Watching als neue Sucht diskutiert wurde. Schnell war dabei das Bild des sozial inkompatiblen Serien-Addicts gezeichnet, der die erfundenen Freunde vom Bildschirm den echten vorzieht. Als Flucht aus der eigenen Lebensrealität wurden die Serien ebenso diskutiert wie als feststehende Rituale, in einer Lebenswelt, in der sich sicher geglaubte Bezugspunkte immer schneller auflösen.<\/p>\n

Eine Studie, die vom US-Sender Fox in Auftrag gegeben wurde, meinte sogar herausgefunden zu haben, dass die Studienteilnehmer mit körperlichen Entzugssymptomen reagierten, wenn man ihre Lieblingsserie nach einigen Minuten abbrach. Die Probanden hielten die Luft an, ihre Temperatur sank und die Schweißproduktion stieg kurzzeitig an. Müssen wir jetzt also Angst haben, in eine krankmachende Abhängigkeit zu geraten, wenn wir mal wieder kein Ende finden?<\/p>\n

Nein, sagt Derik Hermann vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Die Folgen, die ein exzessiver Serienkonsum auf uns hat, sind nicht vergleichbar mit jenen Veränderungen, die Alkohol- oder Drogenabhängige durchleben müssen. Sein Kollege Rainer Spanagel ergänzt, dass bei der amerikanischen Studie nichts anderes gemessen wurde, als eine ganz normale Enttäuschungsreaktion. Wenn man uns mit einem Teller voller Süßigkeiten den Mund wässrig macht, uns den Teller dann aber wegnimmt, bevor wir zugreifen können, werden die meisten von uns erstmal tief durchatmen. Hiervon auf eine Suchtkrankheit zu schließen halten die beiden Forscher für überzogen.<\/p>\n

Fernsehserien als neue Kulturtechnik<\/h3>\n\n

Anstatt die neuen Serien für ihr Suchtpotenzial zu verteufeln, könnte man sie auch einfach als neue Kulturtechnik begreifen. Serien wie Die Sopranos<\/em> oder The Wire<\/em> haben die bis dahin geltenden Konventionen von Fernsehserien komplett aus den Angeln gehoben und Stories möglich gemacht, die bis dato undenkbar waren. In ihrer Komplexität und Erzähltechnik haben viele Serien mittlerweile ein Format erreicht, das denen großer literarischer Werke in nichts nachsteht. In diesem Sinne lassen sich Serien also durchaus auch als Kunstform begreifen.<\/p>\n

Nicht umsonst wurden Die Sopranos<\/em> in die ständige Ausstellung des New Yorker MoMA integriert. Und auch andere Serien werden in Zeitungen heute meist nicht im Medienteil besprochen, sondern eben im Feuilleton. Gleichberechtigt neben Rezensionen des neuesten Romans von Jonathan Franzen oder Ian McEwan. Nähert man sich dem Thema Serien über diesen Weg, dann ist Fernsehen eine Kulturtechnik, ebenso wie das Lesen. Und hier käme niemand auf die Idee, einer Leseratte<\/em> ein suchtähnliches Verhalten zu unterstellen.<\/p>\n

Also: Gegen einen Serienmarathon am Wochenende ist erstmal nichts einzuwenden. Wenn du irgendwann merkst, dass du über die Charaktere auf dem Bildschirm besser informiert bist als über deine echten Freunde, dann wäre es aber doch mal an der Zeit, wieder vor die Tür zu gehen und echte Menschen zu treffen. Bis dahin: Happy Binge Watching!<\/p>\n

7 Serientipps zum Binge Wachting:<\/h3>\n

Hier findest du eine absolut subjektive Übersicht von Serien, die ich nicht abschalten konnte.<\/p>\n

Damages<\/h3>\n

Die Serie stammt aus dem Jahr 2007, also aus einer Zeit knapp vor dem derzeitigen Serien-Hype. Im Zentrum steht die Top-Anwältin Patty Hewes, gespielt von der unglaublichen Glenn Close, die einem Korruptionsskandal auf die Spur kommt. Folge um Folge dringt man tiefer in die moralischen Abgründe vor und beobachtet dabei eine Skrupellosigkeit, die sprachlos macht.<\/p>\n